Start

Für die einen ist es die große Hoffnung, für die anderen der große Schrecken: Die Globalisierung. Schrecken deswegen, weil diese riesigen vernetzten Systeme, die hinter unserem täglichen Leben stehen, und das Schwinden lokaler Strukturen ein Gefühl der Abhängigkeit hervorrufen – von weltweiten Entwicklungen, die z.T. dramatische Auswirkungen auf unser Leben haben und die offenbar außerhalb unserer Kontrolle liegen. Gleichzeitig ist für Viele ein Leben ohne täglich rollende Transporter überhaupt nicht mehr vorstellbar. Heute genügt schon ein mehrtägiger Stromausfall, um unser alltägliches Leben völlig auf den Kopf zu stellen. Es scheint, als sei der/die Einzelne dem Geschehen hilflos ausgeliefert. 

Minitopia

Minitopia möchte Plattform, Keimzelle und Spielplatz urbaner Selbstversorgung sein. In einer alten Brummi-Werkstatt mit Halle, Werkstätten und 1000 m² verwilderter Außenfläche im Outback von Hamburg-Wilhelmsburg wollen gemeinsam mit Euch ausprobieren, ob und wie wir uns mit den Ressourcen vor Ort, unseren eigenen Händen und gegenseitiger Unterstützung auch in der Stadt selbst versorgen könnten – unabhängig von Kontostand, und globalen Verstrickungen.  Wir testen vergessene Methoden und erfinden neue Konzepte für zukunftsfähige Lösungen, um den Herausforderungen unserer “modernen”, industrialisierten und globalisierten Welt zu begegnen. 

Ziele

Jede Krise beinhaltet gleichzeitig die Möglichkeit der Wandlung und Weiterentwicklung. Wir möchten in erster Linie dazu ermuntern, den z.T. beängstigenden Folgen der Globalisierung nicht mit Ängsten, Verzweiflung oder Schuldzuweisungen zu begegnen, sondern mit Kreativität, Experimentierfreude und Spaß am Gestalten. Ziel ist es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, welche Alternativen es gibt, die auch im kleinen Rahmen mit wenig Mitteln im Alltag umsetzbar sind, um eine Kehrtwende einzuleiten. 

Bausteine

  • Selbstversorger-Beete

Wichtigster Bestandteil des Projekts ist die Entwicklung von mobilen, langfristig weitgehend autarken Selbstversorger-Gärten nach den Prinzipien der Permakultur. Gemeinsam finden wir heraus, wie auf kleinstem Raum, ohne künstliche Hilfsmittel und mit minimalem Energieaufwand maximale Erträge an Gemüse, Obst, Kräutern etc. für den Eigenbedarf zu erzielen sind. Ziel ist es, sich nur von Lebensmitteln ernähren zu können, die in der eigenen Region und in der aktuellen Jahreszeit erzeugt wurden. Mitmachen kann jeder, egal ob er einen Garten, einen Innenhof, einen Balkon oder nur eine Fensterbank zur Verfügung hat. Material und Werkzeug wird zur Verfügung gestellt; gebaut, gepflanzt, gepflegt und geerntet wird selbst; in regelmäßigen Austauschtreffen werden Methoden, Erfahrungen und Erkenntnisse miteinander geteilt. Gegärtnert wird in mobilen Hochbeeten aus Holzpaletten – eine praktische Alternative, wenn eine dauerhafte Bepflanzung aufgrund versiegelter oder kontaminierter Böden nicht möglich ist. Aufgrund ihrer beweglichen und modulartigen Form können sie jederzeit den Ort wechseln, wenn die ursprüngliche Fläche nicht mehr zur Verfügung steht. 

  • Do-It-Yourself-Werkstatt

Weiterer Bestandteil von “Minitopia” ist eine “Do-It-Yourself”-Werkstatt für handwerkliche Projekte, in der Werkzeuge, Wissen und tatkräftige Unterstützung zur Verfügung gestellt werden, um neben Hochbeeten, Hummelhäusern, Nisthilfen, Insektenhotels, Wurmkisten oder Mini- Kompostern auch Alltagsgegenstände wie Möbel, Instrumente oder Spielzeug mit einfachen Mitteln selbst herzustellen bzw. kreativ zu recyceln und einfache Reparaturen selbst durchführen, anstatt Kaputtes wegzuwerfen und neu zu kaufen. Mit kleinen TechnikExperimenten für hand-, magnet- oder batteriebetriebene Antriebssysteme können wir vorübergehend – oder dauerhaft – den Strom aus der Steckdose ersetzen und mit dem Bau von “Survival- Tools” wie Hobo- oder Solarkocher, Wasserfilter oder Zelt-Ofen und ein bisschen KnowHow können wir uns sogar im Freien mit dem Lebensnotwendigsten versorgen.

  • Projektküche

In unserer Projektküche lernen wir, Reste zu verwerten, Lebensmittel haltbar zu machen, umweltschädliche Produkte ohne großen Aufwand durch nachhaltige Alternativen zu ersetzen und dadurch nicht nur Geld zu sparen, sondern auch große Mengen Abfall, Plastik und ungesunder Zusatzstoffe zu vermeiden. Bei gemeinsamen Koch-Aktivitäten werden traditionelle Methoden zur Verarbeitung von Lebensmitteln ausprobiert und viel Wissen zu natürlicher Ernährung geteilt. Statt Etikettenschwindel, unverständliche chemische Zusätze und erschöpfte Ressourcen zu befürchten, lernen wir, welche Nähr- und evtl Schadstoffe in Lebensmitteln stecken, wo und wie Lebensmittel produziert werden, wie mit natürlichen Ressourcen wie Wasser und Boden umgegangen wird und welchen Weg sie bis zum Teller nehmen. Zudem lernen wir Inhaltsstoffe und Produktionsbedingungen von Haushaltsprodukten kennen: Reinigungsmittel, Kosmetika, Textilien etc. – alles ohne erhobenen Zeigefinger, sondern mit vielen Aha-Erlebnissen und in lockerer Atmosphäre.