Unsere FairAntwortung

Mit unserem Minitopia Minimarkt möchten wir ja versuchen, uns so weit wie möglich mit Produkten aus dem Hamburger Umland zu versorgen. Auf einige Produkte, die hier einfach nicht wachsen wollen, möchten die meisten von uns aber nicht verzichten: Kaffee und Orangensaft zum Frühstück, die Zigarette nach dem Essen, die Schoki für zwischendurch… Aber wo genau kommen diese Produkte her, wer stellt sie her, wie wird dort gearbeitet und wie kommt das Zeug hierher? Ist der Handel fair? Reicht es auf FairTrade-Siegel zu setzen? Ist fairer Handel überhaupt möglich? Und was können wir tun, um faire Bedingungen für Alle herzustellen? Wir haben Initiativen eingeladen, die sich mit diesen Themen schon länger auseinandersetzen, um mit uns zu diskutieren.

Die Vortragsreihe wurde gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL mit Mitteln des Die KfW fördert im Auftrag der Bundesregierung ...und den  

Decolonize Chocolate! Gegen den bitteren Beigeschmack

Auf der Suche nach der besten Schokolade für unseren Minimarkt blieb uns der Supermarkt-Riegel glatt im Halse stecken. Dass es auf den Kakaoplantagen im Globalen Süden nicht immer fair zugeht war uns schon bewusst; der Beigeschmack war dann aber doch bitterer als gedacht. Kinderarbeit, Gesundheitsschäden, bittere Armut, Abholzung der Wälder – die Schokoladenindustrie ist eine einzige Katastrophe. Bei den Recherchen zu echten Alternativen landet man unweigerlich bei fairafric, einem deutsch-ghanaischen Social Business, das die Schokoladenwelt revolutioniert. Was fairafric anders macht, warum auch da nicht alles perfekt ist, welche Herausforderungen sie vor Ort zu bewältigen haben und was passieren müsste, damit der Schokoladenhandel fair wird, erzählt uns fairafric-Vertrieblerin Ann Kathrin Berek.

Kaffee – nicht die Bohne wert?

Wie viele Tassen Kaffee trinken wir tagtäglich und was hat unser Durst nach Koffein mit dem globalen Süden zu tun? Wie beeinflussen wir Arbeitsbedingungen und warum reicht ein FairTrade-Siegel nicht aus? Kann es im Kapitalismus überhaupt Gerechtigkeit geben? Gemeinsam mit Pingo vom Quijote-Kollektiv nehmen wir die Bedingungen der Erzeugenden genauer unter die Lupe und stellen Alternative zur streng hierarchisch organisierten Kaffeeindustrie vor – damit alle fair leben können.

Wild Food – Königsdisziplin der Ernährung?

Fleisch morgens als Wurst, mittags als Hauptgericht und abends gibt es Fleischsalat aufs Brot. Wo wird das Futter für Tiere in deutschen Mastanlagen angebaut und wie zerstören wir damit Ökosysteme in Lebensgrundlagen im globalen Süden? Warum exportieren wir unser subventioniertes Fleisch auf den afrikanischen Kontinent, entsorgen jedoch den Großteil eines Hähnchens, wenn nur die zarte Brust verwendet wird? Wie kann man Konsum verändern und lokale Märkte stärken? Fee Brauwers, Fleischertochter, Forstbloggerin mit Bachelor in Forstwirtschaft und angehendem Master in Holzwirtschaft hält nachhaltigen Fleischkonsum für die Königsdisziplin der Ernährung. Tatsächlich: Für heimisches Wild werden keine Flächen versiegelt, kein Wasser verbraucht, kein Futter importiert und kein CO2 ausgestoßen. Zudem soll Wildfleisch sehr gesund sein – es scheint also eine Win-Win-Situation für Mensch und Umwelt. Fee hat uns erzählt, warum sie sich „wilgan“ ernährt und nur Fleisch isst, wenn sie es selbst geschossen hat.

Unfair Tobacco – Deutscher Bio-Tabak als Alternative zum unfairen Kolonialprodukt?

Zugegeben: Bei unserer Vortragsreihe ist das Thema Tabak eines der kritischsten und wurde im Vorwege am meisten diskutiert. Aber das Thema war in der Vorbesprechung einfach zu spannend, als dass wir es Euch vorenthalten wollen. Ausdrücklich möchten wir darauf hinweisen, dass es uns hier nicht um die gesundheitlichen Schäden durch Tabakkonsums geht; hierzu gibt es ausreichend Informationen, die wir auch unbedingt zum Lesen empfehlen, z.B. hier: https://www.maviesanstabac.lu/de/die-schaedlichen-auswirkungen-des-tabakkonsums/

Zentrale Themen unserer Vortragsreihe “Unsere FairAntwortung” sind die Schattenseiten des Handels mit Produkten des Globalen Südens und die Suche nach fairen Alternativen. Bei Schokolade, Kaffee, Südfrüchten und Co. müssen wir über lokale Versorgungswege gar nicht erst nachdenken, wächst hier einfach nicht. Und Tabak? Ja, da wird es interessant. Tatsächlich hat der Tabakanbau in Deutschland eine 400jährige Tradition. Wikipedia weiß: Nach einer Urkunde aus der Pfalz soll der erste Tabak in Deutschland 1573 in einem Pfarrgarten in Speyer angebaut worden sein, damals noch zur Anwendung in der Medizin. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Tabak dann für die kleinbäuerliche Landwirtschaft eine der wichtigsten Einnahmequellen. Was dann geschah, warum wir heute nirgends Tabak aus Deutschland kaufen können und ob regionaler Tabakhandel überhaupt funktionieren kann, hat uns Jörg Bähr vom Landesverband Rheinland-Pfälzischer Tabakpflanzer e. V. live und in Farbe erzählt.

Süß, gesund, (un-)fair? Orangenanbau im Globalen Süden

Früher war es etwas ganz besonderes, zu Weihnachten Südfrüchte zu essen. Da gab es Mandarinen im Nikolausstiefel und Orangen unterm Weihnachtsbaum. Heute gibt es exotische Spezialitäten das gesamte Jahr über, in jedem Supermarkt. Erdbeeren oder Litschis im Dezember sind keine Seltenheit mehr. Die Früchte werden (das ganze Jahr über) eingeflogen oder per Schiff transportiert. Deutschland hat den höchsten Saftkonsum pro Kopf weltweit. Die Mehrheit der Früchte wird unreif geerntet und dann in Europa in Hallen zum Nachreifen gebracht. Das benötigt einen unfassbaren Energieaufwand. Die Orangen stammen meist von riesigen Monokulturen. In den Erzeugerländern sind die Arbeiter:innen Ausbeutung auf Plantagen ausgesetzt, vielfach werden die Pflanzen mit Insektiziden und Pestiziden behandelt, zum Schutz vor sogenannten Schädlingen. Dass es aber auch anders geht, erzählt uns Andréa Moraes Barros von der Christliche Initiative Romero (CIR), Projektkoordinatorin Multiakteurs-Partnerschaft Orangensaft, Brasilien und Mitgründerin der Partnerschaft für Nachhaltigen Orangensaft (PANAO).