Kettensägen Massaker – Ischias, die Tribüne und eine Never-ending-Story

von Charly Zacher

Ischias ist ein Teufelskerl! Er kommt unvorhersehbar und ungelegen, aber er macht es sich dabei so gemütlich, dass es einem einfach nicht gelingen will, ihn wieder wegzukriegen. Schon gar nicht, wenn man eigentlich dabei ist, eine Tribüne mit den Ausmaßen eines Amphitheaters zu bauen. Also – ungefähr diesen Ausmaßen. Vielleicht ein bisschen kleiner. Aber nur ein bisschen.

Um die Birke neben den Hochbeeten sollte eine Bank entstehen. So eine gemütliche, runde, auf der bequem drei Rentnerpärchen Platz haben, um ihre Pillen zu tauschen ohne sich zu sehr verrenken zu müssen. Das war der Plan. Und dann kam Nik. Und Nik scheint ein Mann der großen Visionen zu sein! Er legte mit Klotzen und Brettern einen Vorbau um die Birke, der im Durchmesser sicher fünf Meter hat. Und dann hat er zusammen mit einer Horde fleißiger Helfer schon mal ein paar Bretter draufgeschraubt und damit klar gemacht, wie er sich das ungefähr vorstellt. Und dann ist Nik in wohlverdienten Urlaub gefahren und wir standen da und dachten so: Jo… also… Drei Ebenen soll das Ding haben?

Und am Hands-on-Samstag (05.08.) dachten wir so: Ja! Easy! Paar Bretter geschliffen und hingeschraubt und dann ist das Ding heute Abend fertig! Haben wir gedacht.

Es fing schon damit an, dass die Bretter, die ich bereits drei Tage lang geschliffen habe, nochmal geschliffen werden mussten, weil wir sie leider feucht zusammengeräumt haben. Aber wir waren viele! Und wir hatten viele Schleifmaschinen! Und wir hatten Lust!

So hat Basti sich mit ein paar Helfern daran gemacht, schon mal die Konstruktion für die zweite Ebene „aufzubocken“, es wurde gesägt und geschliffen und gemessen und… um Himmels Willen! Wer hat dem Typen da eine Kettensäge in die Hand gegeben?! Erst auf den zweiten Blick erkannte ich, dass der Irre mit der Säge der Mann in meinem Leben war, was mich zwar insofern beruhigte, dass ich in der Theorie wusste, dass er sicher damit umgehen kann, mich praktisch aber dennoch dazu veranlasste, den Finger immer auf dem Notruf meines Handys zu haben und in immer größer werdenden Kreisen um ihn rumzutanzen. Das war dann also meine Aufgabe für diesen ersten Tag, an dem die Tribüne natürlich nicht fertig wurde, aber mein Ischias wieder zu mir fand.

Am nächsten Vormittag kamen der Kettensägentyp, eine geheimnisvolle Frau namens Nadine-Claudia und ich wieder, sahen der Tribüne fest in die Astlöcher und waren sicher: Das Ding ist heute Abend fertig! Haben wir gedacht.

Nach sorgfältiger Einweisung durch den Kettensägenmann traute ich mich schließlich an die Stichsäge und war nun autark! Ich konnte die Bretter ausmessen, zurechtsägen und selbst festschrauben. Nadine-Claudia verschwand hinter einem Nebel aus Holzstaub. Der Mann in meinem Leben wurde wieder zur angsteinflößenden Horrorfigur aus dem berühmten Film. Und wer ihn da so mit der Säge im Kreis um die Tribüne rennen sah – Holzfetzen von ihm wegfliegend – , wird mir nicht widersprechen. Mein Ischias tat das wohl und leitete den Feierabend ein.

Aber der Mensch vergisst ja glücklicherweise schnell, dass er an körperlichen Gebrechen leidet, wenn er etwas wirklich will. Und als eine junge Familie aus Eimsbüttel meinem Aufruf bei Facebook folgte und sich für den übernächsten Tag anmeldete, dachte ich: Heute! Heute Abend ist das Ding fertig. Und er schliff und sie sägte und die Tochter beschäftigte die Pferde auf der Nachbarskoppel und ich erklärte und sägte und merkte: Uns geht das Holz aus… Und Ischias hab ich auch.

Ohne Moos nix los und ohne Holz kein Stolz. Ohne Transporter ließ sich auf die Schnelle auch kein neues besorgen. Aber die zweite Ebene war immerhin fertig. Trotzdem verabredeten wir uns für den nächsten Tag und wollten zumindest die paar Bretter, die wir noch hatten, verbauen. Heute Abend würde die Tribüne sicher nicht fertig werden. Und außerdem mach ich heute mal langsam – des Ischias‘ wegen. Und dann rief er an. Der Mann in meinem Leben. Und er macht früher Feierabend und kommt mit dem Transporter angefahren und holt uns eine Holzspende von einem Holzindustriebetrieb ums Eck ab. Zwei Kubikmeter! Das ist ein ganz schöner Haufen Holz! Und die mussten nicht geschliffen werden! Direkt zum Verbauen! Und der Ischias war vergessen und die Akkuschrauber liefen heiß, die Kettensäge sowieso und die dritte Ebende wurde endlich vorkonstruiert!

Am Samstag (12.08.) regnete es. Den ganzen Tag. Aber das hält ja so einen Minitopianer nicht auf! Zumindest nicht mich. Und sicher nicht jemanden, der mit einer Kettensäge spielen will! Und auch gewiss nicht Nadine-Claudia! Die war ganz verduzt, dass sie nicht schleifen musste. So bauten wir zu dritt ein paar Stunden und kamen wirklich gut voran, aber ehrlicherweise muss man sagen, dass es da draußen im Regen dann doch nicht so muggelig war. Aber es ist fast alles fertig! Es fehlen nur noch die Rückenlehnen. Und die können jetzt wirklich noch bis zum nächsten Wochenende warten. Der Ischias ist gleich dageblieben. Er will auf keinen Fall verpassen, wie die fertige Tribüne aussieht. Es sei ihm auch gegönnt. Er hat ja seinen Teil dazu beigetragen, denn wer weiß, ob ich mich ohne ihn so festgebissen hätte in dieses Projekt, dass endlich ein gutes Ende finden muss, damit die qualvollen Abende auf der Couch nicht umsonst waren!

Ironischerweise wurde mein Ehrgeiz einige Tage später nicht vom Ischias oder der Kettensäge gebremst. Nein. Eine Flex war es. Und ich selbst. Fast auf der Zielgeraden. Nur noch drei Rückenlehnen anschrauben und die eine Ecke nochmal mit der Schrubbscheibe abschleifen. Und es war schon spät und der Ischias muckte und ich war unkonzentriert und – zack! – Flex im Finger! Glücklicherweise hat der Körper seine Schutzmechanismen und ist direkt in einen Schockzustand gegangen. Der Mann in meinem Leben war sich sicher, dass ein Pflaster reicht, während ich überzeugt war, zur Amputation ins Krankenhaus zu müssen. Hab ich gedacht.

Knapp sechs Wochen später bleibt mir eine coole Narbe und die Gewissheit, dass immer noch drei Rückenlehnen fehlen. Aber die kommen auch noch. Nicht heute und nicht morgen. Aber wenn es mal wieder trocken ist, dann wird sich sicher jemand mit einer Kettensäge und einem Akkuschrauber finden. Schön anzuschauen ist die Tribüne aber auch jetzt schon!

Vielen Dank an alle großen und kleinen Helfer! Es war mir ein innerliches Blumenpflücken!

Aber wir sind noch lange nicht fertig! Der nächste Hands-on-Samstag ist am 07.10. ab 13 Uhr. Wir wollen Hochbeete bauen und bei schönem Wetter Blumenzwiebeln auf den Bienenhügel pflanzen. Packt eure Akkuschrauber ein!

PS: Kann bitte endlich jemand die letzten drei Bretter da dran schrauben?!

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