Minitopia. Selbstversorger. Gemüsebeete. Irgendwas in einer Halle.

von Charly Zacher

Minitopia. Selbstversorger. Gemüsebeete. Irgendwas in einer Halle.

Das war in etwa mein Informationsstand, als ich mich vor ein paar Wochen fragte, was ich da auf Facebook eigentlich geliked habe. Also hab ich in die Tasten gehauen und einfach mal nachgefragt. Die Antwort kam prompt: Schau doch einfach mal vorbei!

Als ich dann sah, dass jemand für den Blog gesucht wird, haben wir gleich ein Date ausgemacht und so begann ich meine Reise nach Minitopia.

Das Gelände liegt am Ende der Georg-Wilhelm-Strasse. An einem schmucken kleinen Häuschen vorbei, in dessen Vorgarten ein riesiger, vom Sturm gebrochener Baumstumpf steht. Da hinter wartet ein fast verwunschener Garten. Fast verwunschen, denn es gibt deutliche Anzeichen von Zivilisation: alte Baufahrzeuge stehen wie eine Herde Elefanten in der Mitte, ein Hecksler steht vor einem Anhänger auf dem Schrott, der auf seine Abholung oder Weiterverwertung wartet, ein bunt bemalter Bauwagen steht direkt vor dem Eingang zur Halle; die Fensterklappe knirscht im Wind – fast gespenstisch, wenn die Sonne nicht so schön auf diesen Flecken Erde schiene.

Ich wandle durch die Halle, vorbei an Lil‘ Bob, dem kleinen, widerbelebten Gabelstapler, und stehe am gigantischen Tresen. Käthe und Stevie begrüßen mich. Anschließend setze ich mich mit Stevie auf eine selbstgezimmerte Bank vor der Halle und sie erzählt mir, dass der Bauwagen die ganze Woche von der Stadtteilschule Stübenhofer Weg aufgearbeitet wurde. Sandstrahler, Schweißen, Holz- und Sägearbeiten – hier durften, sollten und wollten die Schüler sich austoben. Das hat richtig Spaß gemacht, ist aber natürlich auch eine große Herausforderung. Als Erinnerung haben die Schüler eine Fotocollage gestaltet, die Stevie mir zeigt. Ja, das sieht nach Spaß aus!

Aber worum geht es denn jetzt eigentlich bei Minitopia? will ich wissen. Selbstversorgung. Selbermachen. Ins Machen kommen. Lernen und lehren. Was, wenn die große Maschinerie, die unser System am Laufen hält, mal ins Stocken gerät? Können wir uns dann bis zu einem gewissen Grad selbst helfen? Gute Frage eigentlich. Vernetzung und Austausch. Raus und unter Leute kommen, die auch mal über den eigenen Tellerrand schauen wollen. Gemeinsam einen Freiraum gestalten, Ideen entwickeln, Möglichkeiten suchen.

Wir unterhalten uns über Nachhaltigkeit, Selbermachen, Upcycling, Ressourcen… Wir wissen um die Probleme, die wir der Umwelt und auch unseren Mitmenschen in anderen Teilen der Welt bereiten. Aber Käthe und Stevie sind auch ganz klar, was ihr Minitopia (und den Blog) angeht: Es soll nicht um Probleme gehen, sondern um Lösungen. Was jeder machen kann, wenn er will.

Und sie haben schon viele Lösungen gesucht und gefunden und hatten Workshops und es gibt tausende Fotos und eigentlich sollte das alles im Blog aufbereitet werden, aber da ständig alles in Bewegung ist auf Minitopia, bleibt sowas leider auch liegen. Zerreißen können sich die beiden schließlich nicht. Daher der Aufruf, dem ich folgte. Ob wir alles nachholen können, wird die Zeit zeigen. Vielleicht finden sich auch noch andere, die Lust haben, sich an der Lebendigkeit der Internetpräsenz zu beteiligen und so für einen regen Mix und Austausch zu sorgen? Meldet euch!

Stevie führt mich anschließend übers Gelände und es offenbart noch mehr von seinem Charme. Der Stamm des abgebrochenen Baumstupfes liegt unter Bäumen. Eine Kletterecke für Kinder. Daneben soll eine Sonnenterrasse entstehen. Mitten auf dem Gelände ist ein Hügel aufgeschüttet. Das ist beim Kampf gegen die Brombeeren passiert und als er dann schon da war, ergab sich die Idee ganz von selbst, einen Bienenhügel daraus zu machen. Ein Festmahl für die gestreiften Insekten, die dafür wiederum bestäuben, was hier gepflanzt wird. Grubenholz liegt aufeinandergeschichtet und soll später zu großen Tischen verarbeitet werden; es lag hier jahrelang (oder auch jahrzehntelang) im Boden. Hochbeete reihen sich aneinander. Jedes in einem anderen Stadium des Wachstums. Jedes hat sechs Quadratmeter und wird von einer Gemeinschaft gepflegt. Permakultur im Selbstversuch. Alles wird protokolliert, um am Ende der Saison zu sehen, welcher Ertrag erzielt worden ist, was gut und was nicht so gut war – wo es noch Lösungen zu finden gibt. Ein altes Feuerwehrauto steht neben einem Steinhäuschen. Den ausbauen und wieder auf die Strasse bringen… Ist in Arbeit. In dem Häuschen befinden sich eine Drehbank und allerlei Gerät, von dem ich auf jeden Fall nicht weiß, wofür man es benutzt. Das soll alles in die große Halle wandern, wo eine Holz- und eine Metallwerkstatt entstehen sollen. Dann ist in dem Häuschen Platz, eine Küche mit Steinofen zu bauen. Außerdem haben sich unter Müll und Brombeeren so viele Granitsteine angesammelt, dass man vor die Hütte auch noch einen windgeschützten Außenbereich bauen könnte. Der Container rechts davon – er scheint früher bewohnt und von einer Sekunde auf die andere verlassen worden zu sein – soll ein Gewächshaus werden.

In mir dreht sich alles. Hier ist so viel Potenzial. So viel Wille. So viel Ideenreichtum. Und dabei scheint nichts in Stein gemeißelt. Es entwickelt sich alles. Alles ist in Bewegung. Es ist fast, als hätte das Gelände selbst nur darauf gewartet, sich endlich im besten Licht präsentieren und seine Entwicklungsmöglichkeit aufzeigen zu können. So schön schäkert das Sonnenlicht durch die Bäume, als wollte es dir zuzwinkern. Vielleicht bin ich aber auch nur die vielen Gräser und Pollen nicht gewöhnt. Aber vielleicht geht es auch jedem so, der zum ersten Mal hier ist: Es ist, als würde Minitopia mit dir flirten…

Fortsetzung folgt!

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