Ran ans Gemüse! Wir gründen die SoLaWi Wilhelmsburg!

von Charly Zacher

Nun hat die Welle der Solidarischen Landwirtschaft Wilhelmsburg erreicht. Solidarische Landwirtschaft – das bedeutet, dass sich Menschen aus der Region zusammenfinden, um sich die Ernte eines vorhandenen Biohofes zu teilen. Die Solawistas finanzieren das Saatgut und die Bewirtschaftung; die Ernte wird unter den Mitgliedern solidarisch verteilt. Das bedeutet jede Woche frisches Gemüse direkt vom Acker auf den Tisch! Die kooperierenden LandwirtInnen haben damit einen überschaubaren Markt für ihre Erzeugnisse und ein sicheres Einkommen, und die Gemeinschaft erhält frische, saisonale und regionale Bio-Lebensmittel. Derzeit gibt es in Deutschland etwa 150 Solawis. Im europaweiten Vergleich ist das (noch) sehr wenig. Doch die Bewegung wächst, und wir wachsen mit!
 
Am Sonntag, dem 01. Oktober war Wolfgang Gerull von der Solidarischen Landwirtschaft Nordheide im Rahmen der Wandelwoche auf Minitopia zu Besuch. Es ging darum, zu verstehen, wie solidarische Landwirtschaft (kurz Solawi) arbeitet und wie es für das große Ganze, aber auch den Einzelnen funktioniert. Zu Beginn eines Wirtschaftsjahres (01. April) wird gemeinschaftlich festgelegt, was angebaut werden soll. Zudem wird besprochen, welche Kosten und Investitionen im kommenden Jahr getragen und verwirklicht werden sollen: Saatgut, Personal, Geräte, etc. Daraus errechnet sich der Beitrag des Einzelnen. Die voraussichtlichen Kosten werden jedes Jahr neu ermittelt und auf der Jahreshauptversammlung vorgestellt. Die Gemeinschaft stimmt dann über den Wirtschafts- und Anbauplan ab. Die Kosten werden solidarisch getragen: In der Bieterrunde geben alle an, wieviel sie zahlen wollen oder können. Als Orientierung dient der durchschnittliche Betrag pro Anteil.
 
Ab 2018 wird es nun auf Minitopia die erste Verteilerstelle für den Hamburger Süden geben, wo wir wöchentlich Gemüse und Obst vom Acker in der Nordheide und aus dem Gewächshaus in den Vier- und Marschlanden geliefert bekommen. Wie das angelieferte Gemüse und Obst untereinander aufgeteilt wird, stimmen die Solawistas vor Ort ab. Im laufenden Wirtschaftsjahr hat die Solawi Nordheide einen Jahresetat von rd. EUR 70.000 , von dem alle Ausgaben bestritten werden, davon einmalig 40.000 für Investitionen. Bei 100 Mitgliedern bedeutet das, dass jeder für seinen Ernteanteil (versorgt etwa zwei Erwachsene und ein Kind) ca. 300 Euro im Jahr bezahlt hat – also ca. 25 Euro/Woche. Die laufenden Kosten und etwaige Investitionen für das Wirtschaftsjahr 2018/2019 ergeben sich aus der Gesamtkalkulation für das nächste Jahr und werden auf der Jahreshauptversammlung Anfang 2018 vorgestellt und beschlossen. Da es solidarische Landwirtschaft heißt, gibt es auch die Möglichkeit, seinen Beitrag an die persönliche finanzielle Situation anzupassen. Einer zahlt ein bisschen mehr, damit ein anderer auch Zugang zu frischem Obst und Gemüse aus der Region hat. Außerdem sind alle Solawistas dazu aufgerufen, auf dem Acker selbst anzupacken, wenn sie Zeit und Lust dazu haben. Eine Hand wäscht also die andere.
 
Der beackerte Boden wurde Bodenanalysen unterzogen und ist bio-zertifiziert. Durch die Anbaumethode der Solawi wird der Boden aufgewertet. Es kommen keine Pestizide und konventionellen Dünger zum Einsatz, sondern sogenannte „Opferpflanzen“. Ein kleiner Anteil des Gemüses wird also extra angepflanzt, damit Raupen und Schnecken etwas zu fressen haben – das freut auch die Vögel, die dafür sorgen, dass der Befall nicht Überhand nimmt. Blühstreifen erfreuen Bienen und Schmetterlinge, die unter der konventionellen Landwirtschaft der Monokulturen leiden. Die Solawi ist also für alle ein kleines Paradies! Und wir alle können dazu beitragen!
 
In der Planungsgruppe Solawi Wilhelmsburg haben sich insulare Aktive von Minitopia und andere zusammengefunden, um „unsere“ Solawi gemeinsam mit den NordheiderInnen ins Werk zu setzen. Am 1.4.2018 soll es los gehen; das ist der Beginn des Wirtschaftsjahres der Solawi Nordheide. Die eigentliche Gründung der Solawi Wilhelmsburg mit Bieterrunde(n) wird im Januar 2018 stattfinden. Bis dahin soll in Zusammenarbeit mit den Solawis Nordheide und Vierlande eine Solawista-Gemeinschaft entstehen. Wenn Du dabei sein willst, dann komme am 30.11.2017 ins Bürgerhaus, Mengestraße 20. Von 19 – 21 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr) stellen wir alles rund um die Solidarische Landwirtschaft vor. Wenn Du diesen Termin nicht schaffst, trage HIER Name und EMail-Adresse ein. Dann wirst Du zukünftig per Newsletter über den Fortgang informiert. Den Newsletter kannst Du jederzeit abbestellen.
 
Miteinander für ein besseres Miteinander – und besseres Gemüse!

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