Müll Challenge

10.03.2019 Interview mit  Stevie
 
Stefanie Engelbrecht ist 42, freiberufliche Fundraiserin, Lebenskünstlerin und hat gemeinsam mit Käthe Schäfer Minitopia ins Leben gerufen.
 
Stevie, bei dir Zuhause – wie ist die Müllsituation?
 
“Gefühlt gar nicht so schlimm, aber das wird sich erst im Laufe der Müllchallenge zeigen. Ich glaub es sind ziemlich viele Milchtüten, die in den Müll wandern. Ich bin Kaffee-Junkie und kann mich nicht an Kaffee ohne Milch gewöhnen. Da wir gerade Solawi-Lieferpause haben, kaufen wir im Moment wieder Gemüse im Supermarkt ein. Wenn man Bioqualität haben möchte, kommt man oft um Plastikverpackungen nicht drumrum, Gemüsenetze hin oder her. Ich glaub aber mein Badezimmer ist schon ziemlich müllfrei – vom Klopapier mal abgesehen (ich kann mich mit der Po-Dusche noch nicht anfreunden), das ist zwar immerhin zumindest Recycling-Papier, aber trotzdem Müll. Ansonsten wasch ich meine Haare mit Seife oder Roggenmehl (klappt wirklich), Gesichtscreme, Deo, Zahnpasta etc. ist alles selbst in Gläsern angerührt, Waschmittel entweder aus Kastanien oder zumindest im Pappkarton. Schminke benutze ich nicht. Ansonsten kauf ich wenn möglich alles im Glas. Joghurt mach ich selbst. Bei Verpackung von Brot ist noch noch Luft nach oben; man kann ja bei Bäcker eigene Brotbeutel mitbringen, den vergess ich aber meistens. Besser aber selber backen. Grundsätzlich profitier ich natürlich von den Workshops, die wir auf Minitopia schon gemacht haben (Brot-/Gemüsebeutel, Bienenwachstücher, Naturkosmetik, Haltbarmachen etc.).”
 
Du verbringst die meiste Zeit also auf Minitopia. Was ist deiner Erwartung nach der größte Müll-Posten, der dort anfällt?
 
“Noch mehr Milchtüten. Und Kaffeepackungen. Hier wird ziemlich viel Kaffee getrunken. Das Gemüse ist durch unsere Solawi schonmal plastikfrei (wenn nicht gerade Lieferpause ist). All die anderen Produkte wollen wir ja im Rahmen unserer Food-Koop möglichst in Großgebinden kaufen und verpackungsfrei abfüllen/verteilen. Aber mir sind hier ziemlich viele Verpackungen für Käse, Aufstriche etc. aufgefallen für das schnelle Brot zwischendurch. Auch Müsli & Co. ist immer nochmal in Plastik verpackt. An die eigene Nase gefasst: Milch und Käse gibt es auch im Abo-Pfand-System. Der Milchhof Reitbrook liefert z.B. 1 – 2 mal wöchentlich in 1, 2- oder 3-Liter Mehrwegflaschen und nimmt die leeren auch wieder mit. Weil wir hier ja Wurmkompostierung machen, grundsätzlich gute Esser sind und ansonsten Reste fermentieren/einkochen, gibt es hier eigentlich keine Lebensmittelabfälle, auch wenn wir für Veranstaltungen kochen. Irgendwie haben wir aber ganz schön viel Verpackungsmüll aus Papier, das benutzen wir dann entweder zum Feuermachen oder geht eben in den Papiermüll. Ansonsten verbasteln unsere SchülerInnen den “Müll” ja in unserem Atelier, also alles was sich noch irgendwie verarbeiten lässt wird zum Herstellen von etwas Neuem benutzt. Unser Baumaterial ist sowieso “Müll”, wäre also ansonsten entsorgt worden und wird hier “verewigt”. Insofern sind wir eher Müllsammler als Müllproduzierer, aber wir werden sehen, was unser Challenge-Müllsack so zeigt am Ende.”
 
Es gab schon einige „Upcycling“-Workshops auf Minitopia. Welche haben dich am meisten beeindruckt?
 
“Die Upcycling-Workshops find ich alle toll, vor allem die Kinder zeigen dabei viel Kreativität. Am beeindruckendsten war aber ganz klar der Workshop mit Erdmuthe von Alternulltiv. Die hat den Müll eines Jahres in einem kleinen Glas gesammelt, da ist uns allen die Kinnlade heruntergefallen. Das war allerdings kein Upcycling-Workshop; sie hat uns gezeigt, wie wir Deo, Waschmittel und Handcreme aus ganz einfachen und günstigen Zutaten selbst herstellen können. Im Moment freue ich mich sehr über unsere neue Nähwerkstatt, weil wir unendlich viele Stoffreste und Altkleider haben, aus denen man tolle neue Sachen zaubern kann.”
 
Welche Wege aus der Plastikkrise fallen dir ein?
 
“Refuse, Reduce, Recycle. Das Problem sind ja nicht die Tupperdosen und Salatschüsseln, die benutzt man quasi ein Leben lang. Es sind die Einweg-Verpackungen, und da gibt es genug Alternativen. Der Jutebeutel ist ja mittlerweile hip und damit auch im “Mainstream” angekommen. Unverpackt-Läden und StartUps für plastikfreie Produkte schießen überall aus dem Boden, die Solawi-Bewegung wächst und immer mehr Leute haben im Supermarkt eigene Verpackungen dabei. Es gibt ja mittlerweile auch Technologie, die aus Plastik wieder neue Gegenstände oder sogar Treibstoff herstellt. Ich bin da kritisch, das ist ähnlich wie Food-Sharing: es ändert nichts am System selbst, sondern bekämpft nur die Symptome. Insgesamt glaub ich aber, wir als VerbraucherInnen sind schon auf einem ganz guten Weg. Da befinde ich mich natürlich auf Minitopia in guter/aufgeklärter Gesellschaft und insofern auch in einer Blase; aber ich sehe wie das Bewusstsein und das Interesse wächst. Solange Politik und Industrie allerdings´nichts ändern oder nur Scheinverbesserungen anbieten, werden wir keine radikale Kehrtwende vollziehen.”
 
Vielen Dank für deine Zeit! Wir sind gespannt!

 

 

 

 

 

 

 

08.03.2019 Die erste Woche ist rum – das ist der Müll!

<– Charly und der Mann in ihrem Leben mit Kater

<– Der Kater

 
 <– Müll von Käthe’s 3-köpfiger Familie

 

 

 

 

 

 

<– Nadine’s 1-Personen-Haushalt

 

 

 

 

 

 

07.03.2019 Interview mit Käthe Schäfer

Warum sich mit Müll befassen? Wir haben nachgefragt!

Käthe Schäfer ist 34, freiberufliche Projektmanagerin, Mutter einer zauberhaften Tochter (3) und gemeinsam mit Stevie Engelbrecht Initiatorin und Mit-ins-Leben-Ruferin von Minitopia.

Käthe, du und Stevie, ihr habt euch gemeinsam das Projekt „Müll-Challenge auf Minitopia“ überlegt. Einen Monat allen Plastikmüll sammeln – einen Monat Müll vermeiden, wo es geht. Wie seid ihr darauf gekommen?

“Mich frustriert es unheimlich zu sehen wie viel Plastik uns im Alltag begegnet, das eine sehr kurze Nutzungsdauer hat. Wer nicht die Möglichkeit hat frisch auf dem Markt zu kaufen, weil es geldlich und zeitlich nicht machbar ist, landet automatisch in der Plastikhölle Supermarkt. Sogar die frischen Obst- und Gemüsesorten werden dort verpackt, damit sie länger haltbar sind. Am Ende des Tages werden aber trotzdem viele Produkte weggeworfen. Außerdem finden wir Plastik in so vielen Dingen, wo wir es überhaupt nicht vermuten: Duschbäder, Zahnpasten, Kleidung usw. Es ist uns oft überhaupt nicht bewusst, dass wir gerade etwas konsumieren, dass Plastik enthält. Unsere Challenge soll den Blick dafür schärfen aber vor allem aufzeigen, was sich alles so innerhalb eines Monats an Plastik ansammeln kann. Und was damit tun? Finden wir vielleicht eine kreative und nachhaltige Lösung? Plastikmüll ist weltweit ein wichtiges Thema (und ich könnte hier jetzt drei Seiten ausschweifen), welches uns auch ganz klar die immer größere Globalisierung aufzeigt. Unser Müll landet in China und dem Südpazifik. Wie kommt er dahin, wenn ich ihn doch brav recycle und in den gelben Sack werfe? Plastik ist omnipräsent und wir mussten uns dem Thema einfach annehmen!”

Ihr seid eine 3-köpfige Familie. Wie steht ihr müll-mäßig so da? Achtet ihr schon viel drauf oder muss es in erster Linie praktikabel sein?

“Wir achten darauf und deswegen bin ich oft frustriert. Wenn ich manchmal schnell noch was einkaufen muss und es nicht zum Bioladen schaffe, dann stehe ich im Supermarkt drehe und wende mich, weil ich das alles nicht mitnehmen möchte. Meine Tochter liebt zum Beispiel frische Beeren. Ein absoluter ökologischer Albtraum, wenn keine Gartensaison ist. Da stehe ich im Markt mit der 125g Himbeerschale in der Hand und wiege gedanklich ab, ob ich ihr die Vitaminfreude vorenthalte oder einpacke. Wir versuchen schon vieles frisch zu kochen, auch um Verpackungen zu sparen, aber auch das scheitert manchmal an der Zeit. Einiges habe ich aber bei uns schon aus dem Alltag verbannt: gute Seife statt Duschbad, Waschpulver im Karton statt Flüssiges und Gläser statt Dosen. Plastikflaschen gibt es bei uns auch nicht.
Ich bin gespannt wo wir im Vergleich zu den anderen dann am Ende des Monats landen.”

Was schätzt du als größten Müll-Posten bei euch ein?

“Ganz klar die Lebensmittel!”

Ihr werdet im April – also während des Müll-Fastens – im Urlaub sein. Easy-going oder Mission Impossible?

“Ich tippe auf Mission Impossible. Wir sind in Spanien und dort ist das Plastikproblem noch viel größer als hier. Im Laden wird alles in viele kleine Plastiktüten gepackt, wenn man nicht aufpasst. Obst und Gemüse muss in Tüten, sonst erntet man böse Blicke und Kommentare an der Kasse. Vielleicht gehen wir einfach jeden Tag ins Restaurant

Ah, den Müll outsourcen! Auch eine Möglichkeit! Wir sind gespannt und wünschen euch erstmal einen schönen Urlaub! Vielen Dank, Käthe!

 

 

 

 

 

 

01.03.2019 Minitopia macht die Müllchallenge

Unser Müll wird zu einem immer größeren Problem. Für die Umwelt, aber auch für Menschen, denen wir selbst vielleicht nie begegnen werden.

Denn: Je „zivilisierter“ eine Gesellschaft ist, um so besser funktioniert ihr „Müll-Management“. Das heißt keineswegs, dass wir weniger Müll produzieren als die Leute anderswo. Ganz im Gegenteil. Wir verursachen mehr Müll, verstecken ihn aber besser.

In anderen Ländern zum Beispiel. Müll ist nämlich ein riesen Geschäft! Ob auf legalem oder illegalem Wege – ganze Mafiosi-Familien und Länder sind damit reich geworden. Und ganze Landstriche wurden zerstört, auf Jahrhunderte kontaminiert, von der Meereswelt wollen wir gar nicht anfangen. Im Arsch. Richtig im Arsch.

Aber auf Minitopia wollen wir bekanntermaßen keine Probleme wälzen, sondern Lösungen finden. Also wagen wir den Selbstversuch!

Wir werden vom 01.-31.03. den Plastikmüll sammeln, der auf Minitopia anfällt und dann Bilanz ziehen. Wieviel Müll ist angefallen und welche Art von Müll? Und welchen Müll hätte man sich eigentlich auch sparen können?

Ja genau! Wo kann man eigentlich Müll sparen? Und wie? Damit werden wir uns vom 01.-30.04. beschäftigen – mit handfesten Tipps zur Müllvermeidung, die jeder im Alltag umsetzen kann! Wie immer findet ihr alle Informationen und Tipps bei Facebook und auf unserer Homepage.

Begleiten werden uns bei diesem Selbstversuch Nadine-Claudia sowie Charly und der Mann in ihrem Leben.

Damit haben wir einen 1-Personen- und einen 2-Personen-Haushalt als Referenz.

Alle drei sind laut eigenen Aussagen schon ganz gut mit ihren Müllvermeidungsstrategien, aber was heißt das? Wo könnte sich noch Müll-Spar-Potenzial verbergen?

Charly: Bei Lebensmittelverpackungen muss ich derzeit Abstriche machen und immer wieder zu verpackter Ware greifen, da ich ein paar Endlich-Nicht-Raucher-Pfunde wieder los werden möchte und mich kohlehydratarm ernähre. Feta, Frischkäse, Nüsse, Hülsenfrüchte – die kriegen wir bei uns im Reiherstiegviertel nicht unverpackt und in Bioqualität.

Nadine-Claudia: Bei mir ist es auf jeden Fall das Trockenzeug, weil ich es einfach nicht immer in den Unverpackt-Laden schaffe. Haferflocken, Linsen, Nudeln – da scheitert es oft an der Strecke. Nur wegen Linsen zum Unverpackt-Laden zu fahren, wenn die leer sind… Dann sind ein paar Tage später die Nudeln leer, da müsste ich schon wieder in die Stadt fahren, denn der nächste Unverpackt-Laden ist eben ein ganzes Stück vom Reiherstiegviertel entfernt. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen, da fehlt noch ein gutes Konzept.

Wir beschränken uns übrigens auf Plastik, weil unser Biomüll schon auf dem Kompost oder im Wurmkomposter landet, Papier bei uns (wenn sich wirklich nichts mehr damit anfangen lässt) in der Feuertonne zum anheizen benutzt wird und wir mit dem Restmüll kein Ungeziefer anlocken wollen – eine Bedrohung, die auf unserem Gelände durchaus real und daher unbedingt zu vermeiden ist 😉

Begleitet uns bei unserem Versuch, schließt euch an, teilt eure Tipps – teilt unsere Tipps, werdet und seid Teil von Minitopia! Wir sind gespannt!